Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Überschrift gelesen haben? Vielleicht, was mit „Führungstyp“ gemeint ist? Oder ganz grundsätzlich „ich und Führung“ und dann weiter: „ja, das liegt mir“ oder „Führung zählt nun wirklich nicht zu meinen Stärken“?

Wie gewohnt gibt es auch diesen Beitrag  in abgewandelter Form in meinem Biztopia-Podcast zum Hören. Hier können Sie ihn direkt abspielen:

 

Das Thema „Führung“ bewegt die meisten Unternehmer. Und nicht nur sie: Auch für viele Angestellte in höheren Positionen ist es von großer Bedeutung: Wenn sie aufgrund ihrer fachlichen Leistung befördert werden, werden sie häufig über Nacht von einer exzellenten Fach- zu einer unerfahrenen Führungskraft mit neuen Aufgaben und vielen neuen Herausforderungen. Die meisten, die sich irgendwann in einer Führungsrolle wiederfinden – ob Unternehmer oder Angestellter – haben „Führung“ vorher nie ausdrücklich gelernt.

Daher wundert es auch nicht, dass es rund um das Thema quasi unzählige Fachbücher, Seminare etc. gibt. Vieles davon hat sicherlich seine Berechtigung. In der Arbeit mit meinen Klienten habe ich jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass Bücher und Seminare wirklich passen müssen, damit sie sie in Hinblick auf ihre täglichen Herausforderungen tatsächlich weiterbringen und nicht „verpuffen“ oder am Ende sogar demotivieren.

Am Anfang ist es sehr hilfreich, einmal zu erarbeiten, wo man in Bezug auf „Führung“ tatsächlich steht und was man wirklich braucht. Dann kann man konkret darauf aufbauen und seine Führungsstärke, Führungsmethoden etc. weiterentwickeln – und zwar so, wie es zu einem persönlich passt.

In diesem Beitrag möchte ich Ihnen daher als Unternehmerin, Selbständigen oder Freiberufler die Möglichkeit bieten, sich dem Thema zu nähern. Ich möchte Sie für das Thema Führung sensibilisieren und dabei unterstützen, sich selbst einzuschätzen. Möglicherweise setzen Sie sich gerade frisch mit Führung auseinander, dann finden Sie hier einige Impulse für den Start. Aber auch wenn Sie zu denen gehören, die sich schon länger mit dem Thema beschäftigen, so werden Sie wahrscheinlich das eine oder andere wiedererkennen und gleichzeitig hoffentlich ein oder zwei neue Ideen mitnehmen. Das Schöne an Entwicklung ist ja, dass sie nie wirklich aufhört, so lange wir leben.

In späteren Folgen werde ich einzelne Punkte vertiefen, die ich heute anreiße, mich speziellen Führungsherausforderungen widmen, Tools vorstellen, die aus meiner Sicht wertvoll sind, sowie praxistaugliche Lösungsansätze vorstellen.

 

Warum ist Führung für Unternehmer wichtig?

Meine Überzeugung ist ganz klar: Jedes Unternehmen (auch kleine, wie generell jedes Team) braucht ein gewisses Maß an Führung! Wie vieles andere so liegt Führung Menschen unterschiedlich gut, aber man kann sie lernen. Dies gelingt, wenn man sich selbst zum Ziel setzt, gut und gleichzeitig mit Freude zu führen, so, wie es zu einem persönlich passt.

Wenn ich als Coach und Beraterin mit den Inhabern von kleinen Unternehmen arbeite, ist die Führung daher in der Mehrheit der Fälle ein wichtiges Thema. Für Freiberufler geht es häufig darum, externe Partner elegant und wirkungsvoll zu führen. Dasselbe gilt für Solopreneure, von denen sich manche auch konkret darauf vorbereiten wollen, wie es sein wird, wenn ihr Business wächst und sie erste Mitarbeiter einstellen. Häufig haben sie in der Vergangenheit eigene Erfahrungen mit schlechter Führung gemacht. Daher ist ihnen wichtig, es von Anfang an anders zu machen.

Übrigens, was viele zunächst übersehen: Gute Führung umfasst nicht nur die Führung von anderen, sondern wir führen stets auch einen Menschen, der uns besonders nahe steht: uns selbst 🙂

 

Führung als zentrale Aufgabe des Regisseurs

Dass wir als Unternehmerin oder Unternehmer stets auch uns selbst führen (sollten) lässt sich auch zeigen, wenn wir uns Führung einmal im Sinne der „ARD-Methode“ anschauen. Wenn Sie schon den einen oder anderen Beitrag von mir gelesen haben, dann wissen Sie sicherlich schon, was ich meine: Um ein Business erfolgreich zu entwickeln, kommt es auf drei Rollen an: Man ist – bildlich gesprochen – zugleich planender Autor, steuernder Regisseur und Darsteller mit persönlichen Werten, Stärken und Fähigkeiten (mehr dazu hier).

In der Sprache der ARD-Methode geht es bei der Führung um das „R“: Sie zählt zu den Aufgaben des Regisseurs. Zur Regie gehört die Führung der Darsteller auf dem Set – und da wir als Unternehmer bzw. Unternehmerin einer dieser „Darsteller“ sind, ist es auch eine unserer zentralen Aufgaben, uns selbst zu führen. Auch im Film muss der Regisseur den Darstellern sagen, wo es lang geht – sonst ist das Ergebnis Chaos! Logisch, oder?

Zu den Aufgaben des Regisseurs gehört natürlich noch mehr, u.a. das Steuern des Unternehmens gemäß der Vision in Richtung auf die nächsten Ziele, sprich die Interpretation des „Drehbuchs“ und das darauf aufbauende Handeln, das Entscheiden in vielen konkreten Situationen etc. Der Regisseur ist der Gestalter, der bei allem, was er tut, seine Handschrift hinterlässt.

Die Lust am Gestalten ist für viele Selbständige, Freiberufler und Unternehmer eine wichtige Motivation. Viele erwähnen, dass sie bei der Entscheidung raus aus einem Angestelltenverhältnis und dafür, künftig (oder von Anfang an!) „sein eigener Herr“ zu sein, eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die Notwendigkeit, dabei stets auch andere zu führen, haben wir bei dieser Entscheidung für ein eigenes Business sozusagen gratis dazu bekommen. Ich kenne nur wenige Unternehmer, für die sie dabei ein wichtiges Motiv war.

 

Drei Führungstypen mit unterschiedlichen Herausforderungen:
Wie schätzen Sie sich ein?

Menschen sind unterschiedlich. Dazu gehört, dass ihnen auch das Thema Führung per se erst einmal unterschiedlich stark liegt. Darüber hinaus verfügen sie rein praktisch auch über unterschiedlich viel Wissen und Erfahrung dazu.

Vereinfacht gesagt, lassen sich drei Führungstypen unterscheiden: das „Naturtalent“, der „Normalo“ und der „Leader wider Willen“. Schauen wir uns die drei einmal genauer an:

 

Das „Naturtalent“: Führt Menschen mit Leichtigkeit

Treffen wir auf ein echtes „Naturtalent“ in Bezug auf das Thema Führung, dann erleben wir, dass Führung keine harte Arbeit sein muss, sondern ganz selbstverständlich, elegant und Leichtigkeit und Freude gelingen kann. Das „Naturtalent“ hat entweder von Anfang an vieles richtig gemacht – entweder intuitiv oder weil es jemanden gab, von dem bzw. von der es sich vieles abschauen konnte. Fragt man das „Naturtalent“, ob ihm Führung Freude macht und wie gut es seine eigenen Fähigkeiten in diesem Bereich einschätzen würde, so bewertet es sich auf einer Skala von 1 bis 10 häufig recht weit oben, mit 8, 9 oder gar 10 Punkten.

Gemäß der Annahme, dass man sich immer weiter entwickeln kann, gibt es in der Praxis aber auch für die meisten „Naturtalente“ noch Punkte, an denen sie ansetzen können. Es lohnt sich für sie zum Beispiel Folgendes zu prüfen:

  • Was denken meine Mitarbeiter? Deckt sich meine eigene Einschätzung mit ihrer? Hier bieten sich direkte Gespräche oder gleich ein 360°-Feedback an.
  • Wie groß ist das Vertrauen meiner Mitarbeiter in mich? Was kann ich tun, um dies zu verbessern?
  • Wie klar kommuniziere ich? Wähle ich immer den richtigen Weg? Was könnte ich hier noch besser machen?
  • Wie führe ich? Nutze ich bereits „Leading by Objectives“ (Führen mit Zielen) oder könnte dies etwas für mich sein?
  • Was wäre, wenn ich noch besser führen könnte? Woran würde ich das merken, was wäre dann anders? Was möchte ich dafür noch lernen oder was möchte ich noch besser beherrschen?

 

Der „Normalo“: Mittelmaß in Sachen Führung

Viele Freiberufler, Selbständige und Unternehmer(innen) schätzen sich beim Thema Führung selbst als „Normalos“ ein. Bittet man sie, ihre Führungsfähigkeiten zu bewerten, dann geben Sie sich auf der Skala von 1 bis 10 vielleicht 4, 5 oder 6 Punkte. Für sie empfiehlt sich auf alle Fälle, ebenfalls die oben genannten Fragen einmal daraufhin abzuklopfen, was sie für sich einmal ausprobieren möchten. Gleichzeitig kann es sich lohnen, auch den nächsten Abschnitt einmal genauer zu lesen. Vielleicht gibt es auch hier noch etwas mitzunehmen?

 

Das „Leader wider Willen“: Will nicht führen

Der „Leader wider Willen“ hat die Führungsaufgabe bei der Entscheidung fürs Unternehmersein zwar gratis mitbekommen, er oder sie lehnt sie aber im Grunde genommen ab. In meiner täglichen Arbeit mit Klienten erlebe ich, dass dieser Typ – besonders in Mischformen oder getarnt als „Normalo“ – gar nicht so selten vorkommt … Wenn man ihn nach einer Einschätzung seiner eigenen Führungsfähigkeiten fragt, dann gibt sich der „Leader wider Willen“ entweder wenige Punkte oder er weicht aus und äußert sich dazu, warum ihm Führung nicht liegt oder warum sie aus seiner Sicht nicht besonders wichtig ist.

Dieser Typ ist sehr kritisch. Die meisten Menschen tun das, was sie innerlich ablehnen, nicht, nicht besonders gut oder nur unter innerem Widerstand. Dies hat beim „Leader wider Willen“ am Ende mindestens eine Folge: Das Business bleibt unter seinen Möglichkeiten! Häufig erlebt er oder sie die Führungsaufgaben darüber hinaus als Belastung, sie machen keine Freude.

Woran sieht man das? Im Extremfall treten schon echte „Schäden“ zu Tage, sprich das Unternehmen kommt in Schwierigkeiten. Bevor es soweit kommt, gibt es aber viele Indizien, die auf wenig oder auch schlechte Führung durch einen „Leader wider Willen“ hindeuten:

  • Arbeiten werden ineffektiv verrichtet, sie dauern zu lange.
  • Es kommt zu „Reibungsverlusten“ zwischen Mitarbeitern, Unternehmer und Angestellten oder auch mit externen Partnern.
  • Die Qualität ist nicht besonders gut.
  • Mitarbeiter sind demotiviert, sind häufig krank, machen „Dienst nach Vorschrift“, es gibt eine hohe Fluktuation (speziell gute Leute bleiben nicht lange, was immer wieder ein Verlust für das Unternehmen ist).
  • Es gibt Anzeichen von „Chaos“.

Die Gründe dafür, warum eine überzeugte Unternehmerin oder ein tatkräftiger Selbständiger zum „Leader wider Willen“ wird, sind unterschiedlich:

Möglicherweise hält er oder sie andere Aufgaben einfach für viel wichtiger? Oder ist noch ganz neu in der Rolle, so dass ihm oder ihr das gesamte Spektrum dessen, was es umfasst, ein Business zu betreiben, einfach noch nicht klar ist? In diesen Fällen ist es häufig relativ leicht, sein Führungsverhalten zu verbessern. Denn: Führung kann man lernen! Hinzu kommt: Je nach Größe des Unternehmens kann – und sollte – man Führungsaufgaben auch delegieren. Hierfür gilt es dann allerdings zum einen, die passenden Führungsstrukturen zu schaffen und zum anderen, zumindest in den allermeisten Fällen, einige (wenige) leitende Mitarbeiter weiterhin selbst zu führen.

Schwieriger ist es, wenn jemand die Führungsrolle – bewusst oder unbewusst – tatsächlich ablehnt, also tatsächlich nicht führen will. Dann ist es mit diesen Maßnahmen oder der Einführung bestimmter Tools nicht getan. Es gilt vielmehr, der Sache auf den Grund zu gehen und sich zu fragen: Warum lehne ich Führung ab? Wie kommt es, dass ich diesem Thema gegenüber eine solch negative Haltung einnehme? Meiner Erfahrung nach ist die Ursache häufig, dass diese Person selbst sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, wie sie selbst früher geführt wurde, sei es im beruflichen Kontext oder auch privat (z.B. durch ein sehr strenges Elternhaus).

Hier kann ein Lösungsansatz dann darin bestehen, zunächst diese „Wurzeln“ der heutigen Überzeugung ausfindig zu machen und dann zu schauen, ob es denn eine andere Form der Führung geben könnte, die zu einem passt.

Welche Werte sind einem in diesem Zusammenhang wichtig, die man auf alle Fälle beachten möchte, wenn man andere führt? Werden hier dann z.B. Gerechtigkeit, Wertschätzung und Freiheit genannt, dann schließt sich die Frage an: Wie kann ich gerecht führen, meinen Mitarbeitern zeigen, dass ich sie schätze und ihnen (und mir!) gleichzeitig ein möglichst großes Maß an Freiheit gewähren?

Hat ein (ehemaliger) „Leader wider Willen“ für sich definiert, wie er im Einklang mit dem, was ihm wichtig ist, führen kann und möchte, ist der wichtigste Schritt getan. Im Anschluss kann er oder sie dann gezielt Führungswissen erwerben, geeignete Tools auswählen und sich möglicherweise von einem Coach dabei unterstützen lassen, schnell in die Rolle des Leaders hineinzuwachsen und ein vollwertiger Regisseur zu werden.

 

Selbst aktiv werden

Wo stehen Sie in Bezug auf das Thema Führung? Neben den drei hier geschilderten Typen gibt es natürlich auch Mischformen, wie z.B. den Normalo, der durchaus auch Anteile des Naturtalents hat.

Ich habe Ihnen ein Arbeitsblatt vorbereitet, mit dem Sie starten können, um für sich herauszufinden, wie Ihr persönlicher „Startpunkt“ in Hinblick auf das Thema Führung aussieht. Sie finden es unterhalb dieses Beitrags. Mein Vorschlag: Laden Sie sich jetzt doch gleich herunter und beginnen Sie damit, es für sich auszufüllen …

 

Auf einen Blick: Take Aways

  • Als Unternehmer sind Sie – bildlich gesprochen – zugleich Regisseur, Autor und Darsteller in ihrem eigenen Film. Ein guter Regisseur führt sich selbst und andere souverän und mit Leichtigkeit.
  • Die wenigsten Unternehmer haben sich für die Selbständigkeit entschieden, weil sie gern (und gut) führen. Daher steckt häufig viel Potenzial in der Frage, wie sie noch besser und gleichzeitig so führen können, wie es zu ihnen und ihren Überzeugungen passt. Arbeiten sie daran, so trägt dies fast immer dazu bei, sich und ihr eigenes Business sinnvoll wachsen zu lassen.
  • Vereinfacht gesagt, lassen sich beim Thema Führung drei Gruppen von Unternehmern unterscheiden: „Naturtalente“, „Normalos“ und „Leader wider Willen“. Sie alle können sich beim Thema Führung verbessern und so zum Erfolg ihres Business beizutragen, sollten dabei aber an unterschiedlichen Punkten ansetzen.
  • Stehen bei den ersten beiden Gruppen hauptsächlich Führungswissen und -tools im Vordergrund, so gilt es für den „Führer wider Willen“ als Erstes herauszufinden, wie er im Einklang mit seinen Werten führen kann, um seine negative Haltung in Bezug auf Führung zu überwinden und Leadership im eigenen Unternehmen als etwas Positives zu sehen, das er gern entwickeln möchte.

 

P.S. Nicht vergessen, hinter jedem großartigen Film steht ein erstklassiger Regisseur! (Und natürlich auch ein ebenso guter Autor und brillante Darsteller;-))