Ich begrüße Sie beim dritten und letzten Teil dieser kleinen Serie. Ich schaue mir hier einmal systematisch an, was wir als Inhaberin oder Inhaber tun können, um unser Unternehmen, unsere Selbständigkeit oder auch unsere Freiberuflichkeit persönlich zu blockieren.

Die Reihenfolge spielt übrigens keine große Rolle: Sollte dies der erste Teil sein, den Sie lesen, ist das vollkommen in Ordnung – wenn Sie mögen, schauen Sie sich Teil 1 und Teil 2 einfach danach an. Nur die Übung ganz am Ende heben Sie sich dann besser für später auf.

Alle drei Teile gibt es alternativ in meinem Biztopia-Podcast zum Hören – den dritten können Sie hier direkt abspielen:

Eine Blockade bedeutet entweder kompletten Stillstand – und da die Welt draußen nie stehen bleibt – de facto häufig Rückschritt. Sie führt dann also genau zum Gegenteil von Wachstum, man fällt zurück. Oder man kommt mit angezogener Handbremse noch langsam voran, aber es kostet viel Kraft und man spürt, dass es so nicht „richtig“ sein kann …

Im heutigen dritten Teil sind nun die Blockade-Muster dran, bei denen die dritte Rolle des Unternehmers den Ansatzpunkt bildet: der DARSTELLER.

Zur Erinnerung: Ich nutze auch hier wieder die Metaphern der ARD-Methode (hier mehr dazu). Das heißt, ich schaue mir die drei Rollen des Unternehmers an: Autor, Regisseur und – genau – Darsteller.

Auch wenn sie sich gegenseitig bedingen: Jeweils eine Rolle bildet den Haupt-Ansatzpunkt, wenn es darum geht, die Blockade anzugehen. In den vorigen beiden Teilen ging es um den planenden Autor und den steuernden Regisseur. Heute möchte ich mir mit euch anschauen, wie der handelnde Darsteller die Ursache dafür sein kann, dass nix voran geht.

Wer ist mit dem Darsteller gemeint?

„In a nutshell“ geht es um den Hauptdarsteller im Film des Unternehmers, also einen Menschen aus Fleisch und Blut, der seine Stärken und Fähigkeiten einbringt, der Bedürfnissen und Werte hat und natürlich auch einigen Schwächen.

Was kann nun passieren, damit er das Business blockiert? Auch hier bin ich wieder auf drei Muster gekommen:

1. „Ich kann das nicht!“

In diesem Fall handelt es sich um eine klassische Fehlbesetzung: Der Darsteller soll etwas tun, was er (noch) nicht kann. Dies kann objektiv nicht funktionieren …

Vielleicht sagt der Darsteller dann so etwas wie: „Eigentlich liegen mir Präsentationen überhaupt nicht – und dann noch auf Englisch vor 50 Branchenkollegen … das habe ich nie gelernt.“

Was steckt dahinter?

Nehmen wir einmal an, der Darsteller hat Recht. Dann handelt es sich bei „Ich kann das nicht!“ zuallererst einmal um eine wahre Aussage. Oft neigen wir allerdings dazu, den Status quo als statisch – und quasi unveränderbar anzusehen.

Wie kann die Lösung aussehen?

Nehmen wir an, wir haben ganz sachlich gefragt: Gibt es momentan einen Unterschied zwischen dem, was ich kann, und dem, was ich brauche, um die Aufgabe vernünftig zu erfüllen? Angenommen, die Antwort lautet ja. Dann können wir in zweierlei Richtungen weiterfragen:

1. Was brauche ich, um das zu lernen? Oder um selbst mehr … zu werden?

2. Muss ich es überhaupt selbst machen? Kann ich es delegieren?

Lernen oder delegieren sind hier also die beiden zentralen Lösungsansätze. Wenn es beim Lernen nicht nur um Faktenwissen geht, sondern darum, Stärken und Fähigkeiten weiterzuentwickeln und Herausforderungen besser annehmen zu können, dann kann evtl. auch ein Coaching hilfreich sein.

Und falls all dies nicht in Frage kommt, gibt es immer noch die Möglichkeit zu prüfen, ob man das Unternehmen künftig anders ausrichten kann, so dass diese Aufgabe wegfällt. Ist auch das nicht möglich, sollte man überlegen, ob es nicht besser ist, sich ganz vom Unternehmen zu trennen. In der Praxis wird dies sehr selten vorkommen. Wenn überhaupt, dann hat man das Business vermutlich nicht selbst aufgebaut, sondern irgendwann übernommen – beispielsweise durch Übergabe an die jüngere Generation.

2. „Ich will das nicht!“

Hier soll der Darsteller etwas tun, das entweder seinen Werten zuwiderläuft oder für sich zumindest nicht begeistern kann. Brennen tut er dafür mit Sicherheit nicht.

Im Extremfall mag es darum gehen, Waffen in Kriegsgegenden liefern, Menschen etwas, was sie nicht brauchen, zu stark überteuerten Preisen verkaufen oder Familienväter oder -mütter kündigen, um den Gewinn in die Höhe zu treiben.

Aber so extrem muss es nicht sein, es geht auch harmloser: Es kann auch bedeuten, dass man eine Anwaltskanzlei führen soll, obwohl man eigentlich ein begnadeter Künstler ist, oder die Praxis der Mutter übernimmt, obwohl man doch schon immer unterrichten wollte …

Was steckt dahinter?

Wie für jeden Menschen gilt auch für Unternehmer: Es kostet viel Energie, gegen die eigenen Werte zu handeln. „Sinnlose“ Aufgaben zu erfüllen kann sehr ermüdend sein. Die Motivation fehlt dann komplett, oft kommt sogar innerer Widerstand dazu. Man erlebt das Ganze  möglicherweise als „Hamsterrad“. Dauert solch ein Zustand länger an, können gesundheitliche Probleme bis hin zu einer Gefahr des Burnout die Folge sein.

Ich bin der festen Überzeugung: Menschen brauchen Sinn! Wir alle wünschen uns Arbeit im Einklang mit unseren Werten und Motiven. Was konkret „sinnvoll“ ist, ist dann im Einzelfall übrigens sehr unterschiedlich 🙂 Der eine möchte Menschen retten, der andere ihnen einen Schrank nach Maß bauen, genau so, wie sie ihn sie sich gewünscht haben.

Wie kann die Lösung aussehen?

Zuerst würde ich prüfen, ob es nur um eine Teilaufgabe geht oder z.B. um den Unternehmenszweck als solchen. Dann gilt es, zu schauen, ob sich die Teilaufgabe delegieren oder abändern lässt – das ist häufig möglich – oder man das Unternehmen so stark umbauen kann, dass man sich mit dem Unternehmenszweck identifiziert und er zu den eigenen Werten passt. Letzteres ist deutlich schwieriger. Gelingt es nicht, wäre auch hier an einen Neuanfang zu denken.

Übrigens, fehlt „nur“ der Sinn und widersprechen die Aufgaben nicht den eigenen Werten, dann ist manchmal auch ein Umweg denkbar: Manchen Unternehmern gelingt es, ihr Business als „Mittel zum Zweck“ zu betrachten und es erfolgreich zu führen. Einen Teil des Ertrags nutzen Sie dann, um etwas in ihren Augen Sinnvolles zu tun: Sie Spenden, gründen eine Stiftung, … sie spielen beim Thema Sinn sozusagen „über Bande“. Das funktioniert nicht immer und nicht für jeden, kann aber in manchen Fällen ein interessanter Ausweg sein!

3. „Keine Zeit!“

Wenn wir uns den Darsteller bildlich vorstellen, dann hätten wir hier jemanden mit roten Wangen vor uns, vermutlich etwas außer Atem. Er jongliert sozusagen mit zehn Bällen gleichzeitig. In diesem Fall passen die Aufgaben per se sehr gut zu dem Darsteller. Aber er ist kräftig überbucht: Über 100% seiner Zeit sind verplant. Der Regisseurs hat die Arbeit falsch verteilt oder evtl. auch zu viel angenommen … und der Darsteller hat bislang wohl auch kein Veto eingelegt.

Was steckt dahinter?

Hier geht es also nicht um die Qualität der Aufgaben, die ist in Ordnung, es ist die Quantität, die Probleme bereitet. Die Fähigkeiten, die der Darsteller braucht, sind grundsätzlich da. Weil es zu viel ist, fällt es ihm vermutlich aber schwer, den Überblick zu behalten und zu priorisieren. Vermutlich spürt er durchaus, dass es so nicht richtig ist. Er erlebt sich selbst im “Hamsterrad” und sagt womöglich, dass ihm die “Sachzwänge nur leider keine andere Wahl” lassen.

Wie kann die Lösung aussehen?

„Keine andere Wahl“ genau an dem Satz gilt es anzusetzen. Das ist nämlich in den allermeisten Fällen eine Fehlannahme!

Man hat fast immer eine andere Wahl. Man kann sich so gut wie immer entscheiden, manche Entscheidung besteht allerdings darin, sich nicht zu entscheiden …

Man hat so gut wie immer eine Wahl.

Die ersten Schritte zur Lösung könnten dann so aussehen: Erstmal innehalten. Dann Aufgaben ausmisten. Das bedeutet: überlegen, welche Aufgaben man weglassen oder an andere Darsteller delegieren kann. Häufig hilft es auch, zusätzlich den Zeitplan anzupassen.

Ganz wichtig dabei sind zwei Punkte:

1. Der Darsteller braucht Luft, um regelmäßig seine inneren Akkus aufzuladen! Allein deswegen darf er nicht chronisch überbucht werden.

2. Er oder sie hat auch noch einen Lebensteil außerhalb des Jobs! Hier wird oft von der sog. Work-Life-Balance gesprochen. Ich denke, dieses Bild ist gut gemeint, führt allerdings ein wenig in die Irre, denn hoffentlich sind Work und Life kein Gegensatz: Work gehört zum Life, aber Life ist immer größer als Work!

Auf einen Blick: Take-Aways

Wir haben uns drei Blockade-Muster angeschaut, bei denen der Darsteller im Mittelpunkt steht. Schauen Sie sich bitte die drei Sätze unten nochmal kurz an und entscheiden dann spontan: Wie stark trifft der jeweilige Satz auf Sie, auf den „Darsteller in Ihnen“ zu? Bitte bewerten Sie dies mit 1 bis 10 Punkten: 10 heißt, der Satz trifft vollkommen zu, 1 bedeutet überhaupt nicht.

Los geht’s:

Satz 1: Der Darsteller sagt: „Ich kann das nicht!“
Sprich: Im Drehbuch ist eine Aufgabe für den Darsteller vorgesehen und der Regisseur möchte, dass der Darsteller sie ausführt – aber er hat dafür nicht die notwendigen Fähigkeiten.

Satz 2: „Ich will das nicht.“
Sprich: Autor und Regisseur haben für den Darsteller eine Aufgabe vorgesehen, die ihn in keinster Weise begeistert – eventuell sogar dessen Werten klar widerspricht.

Satz 3: Der Darsteller ist außer Atem: „Keine Zeit!“
Sprich: Die Aufgaben, die dem Darsteller zugedacht sind, sind prinzipiell für ihn in Ordnung – es sind nur viel zu viele. In diesem Fall ist die Quantität das Problem, nicht die Qualität.

Haben Sie sich die drei Punktezahlen notiert? Bei welcher Aussage haben Sie die meisten Punkte vergeben? Setzen Sie bitte genau da an. Überlegen Sie sich: Was können Sie tun, um das zu ändern? Ganz konkret, was ist der erste Schritt?

Halten Sie am besten direkt fest, was Ihnen hierzu einfällt. Und dann tragen Sie sich einen Termin im Kalender ein, an dem Sie diesen Schritt gehen werden. Es sei denn, Sie starten sofort!

Damit sind wir am Ende dieser kurzen Reihe. Wow, das war hier und da ganz schön viel, oder? Blockaden sind ja nicht unbedingt ein schönes Thema. Sie wegzubekommen ist es aber – denn damit befreien Sie sich von Altlasten und machen unheimlich viel Neues möglich!

Wenn Sie sich alle drei Folgen durchgelesen und auch die Bewertungen vorgenommen haben, dann habe ich zum Abschluss hier noch einen Vorschlag: Schauen Sie sich alle drei Ergebnisse nochmal an. Ergibt sich hier ein bestimmtes Bild? Wie ist das Verhältnis von A-R-D zueinander? Schreibe die drei Buchstaben auf ein Blatt, so, dass sich aus der Skizze ergibt, wer momentan wie „groß“ ist und wie die Beziehungen zueinander aussehen. Nehmen die drei, Autor, Darsteller und Regisseur,  sich ernst? Wer braucht was von wem?

Zeichnen Sie dann auch die Außenwelt ein. Wie eng sind die drei mit den Rollen verknüpft? Passt dies? Oder brauchen Sie mehr/anderen Austausch bzw. Wissen und/oder Impulse?

Ich habe Ihnen hierzu ein Arbeitsblatt vorbereitet (siehe unten). Dort finden Sie auch nochmal alle neun Blockade-Sätze übersichtlich beieinander!

Wenn Blockaden für Sie ein Thema sind, dann sind für Sie jetzt wahrscheinlich Ansatzpunkte sichtbar. Dies ist der erste und häufig auch der entscheidende Schritt. Je nachdem, wie festgefahren oder auch wie komplex die Situation ist, kann es aber notwendig sein, sich Unterstützung zu holen. Dies können Freunde, Familie und andere Vertrauenspersonen sein – manchmal ist es aber auch gut, einen Coach als Sparringspartner dazuzuziehen, jemanden, der sich damit auskennt und gleichzeitig selbst keine „Karten im Spiel“ hat.

Wenn Sie wissen möchten, wie dies konkret aussehen könnte, dann melden Sie sich sehr gern bei mir!