Warum schwere Entscheidungen (manchmal) sehr wertvoll für uns sind

„Ich liebe schwere Entscheidungen!“

… wenn ich das behaupte, ernte ich oft ungläubige Blicke. Aber es stimmt:  Der Coach in mir schätzt schwere Entscheidungen. Zugegeben, es kommen auch viele Menschen zu mir, weil sie den Eindruck haben „Ich kann mich nicht entscheiden.“ Aber das ist nicht der springende Punkt. Was ich an herausfordernden, subjektiv schwierigen Entscheidungen liebe, ist etwas anderes: Wenn wir uns diesen Entscheidungssituationen tatsächlich stellen, erwartet uns ein intensiver, aber oft auch unglaublich spannender und erkenntnisreicher Prozess. Wir können dabei ganz viel über uns persönlich lernen, über unsere Werte, Bedürfnisse und Motive. Reflektieren wir in Ruhe und entscheiden mit Bedacht, dann wissen wir hinterher ein Stück mehr darüber, wer wir sind. Aber der Reihe nach …

Entscheidungen fällen wir jeden Tag in großer Zahl, viele davon spontan und ohne groß nachzudenken (Stecke ich den Regenschirm ein? Erledige ich erst A oder B?). Das heißt, wir alle können uns entscheiden. Und dennoch gibt es bestimmte Fälle, da fällt es uns extrem schwer, erscheint vielleicht sogar unmöglich: Man grübelt ewig hin und her, die Gedanken kreisen, man weiß schlicht nicht, was man machen soll. Das kostet sehr viel Kraft und kann persönlich sehr belastend sein. Um diese Art „schwere Entscheidungen“ geht es mir hier. Und ja, auch sie können am Ende sehr wertvoll sein, auch wenn sich der Weg dorthin häufig steinig ist und teils furchtbar anfühlen kann.

So unterschiedlich sie im Einzelfall sind, was diese Entscheidungssituationen verbindet, ist, dass es sich subjektiv meist um Weichenstellungen handelt. Man steht bildlich gesprochen an einer Weggabelung und je nachdem, wie man die Weichen stellt, welche Abbiegung man nimmt, wird das eigene Leben – gravierend oder auch nur ein kleines bisschen – anders verlaufen. Daher haben wir vor dieser schweren Entscheidung Respekt, treffen anders als bei den banalen Beispielen oben keinen spontanen Entschluss. Und das ist gut so.

Schwierig wird die Situation in drei Fällen. Lassen Sie uns die der Reihe nach anschauen.

1. Entscheidung zwischen Pest und Cholera

Man sieht nur schlechte Alternativen, es scheint keine „gute“ oder auch nur „brauchbare“ Option zu geben. Dann ist es total richtig, inne zu halten. Die gute Lösung, für die man sich entscheiden wird, ist noch nicht sichtbar. Die Herausforderung besteht also darin, das Richtige zu unternehmen, um sie zu finden!

Hier gilt es, sich Zeit zu nehmen und in Ruhe zu reflektieren. Häufig hilft es, sich dafür mit einem anderen, wohlwollenden Menschen zusammenzusetzen. Das kann ein Freund, der Partner, ein Familienmitglied oder guter Bekannter sein – oder in schwierigen Fällen auch ein Coach.

2. Innerer Konflikt

Man fühlt sich innerlich zerrissen zwischen mehreren Alternativen. Sie sind einfach sehr unterschiedlich, ein Teil in uns will A, einen anderen zieht es zu B und ein dritter sieht in C die beste Lösung. Diese Fälle sehe ich im Coaching besonders häufig. Es gilt dann, diesen inneren Konflikt „aufzudröseln“ und die dahinterstehenden eigenen Bedürfnisse zu verstehen. Nur so kann man ihn lösen – in schwierigen, komplexen Fällen am besten mit externer Unterstützung.

Zeigt sich bei meinen Klienten ein solch innerer Konflikt, dann arbeite ich häufig mit dem „Inneren Team“ (Friedemann Schulz von Thun), verwandt ist auch die Methode des „Voice Dialogue“ (Hal und Sidra Stone). Schrittweise wird dann hier im Coaching für uns beide – meinen Coachee und mich als Coach – sichtbar, welche „inneren Teammitglieder“ sich von der schweren Entscheidung betroffen fühlen. Achtung, hier gibt es auch leise Stimmen und „Spätmelder“. Daher ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, in einer entspannten und zugleich konzentrierten Atmosphäre zu reflektieren und dann genau hinzusehen bzw. hinzuhören.

Dann passiert in diesem Entscheidungsprozess etwas sehr Wertvolles: Man erkennt nicht nur, welche – manchmal auch gemeinsam neu entwickelte – Alternative für einen selbst die richtige ist, sondern man sieht auch die eigenen Bedürfnisse, Werte und Lebensmotive häufig noch klarer.

3. „Luxusproblem“

Es gibt Entscheidungen, bei denen es mehrere gute Alternativen gibt, aber leider keine eindeutig die beste ist. Die Entscheidungsoptionen erscheinen bei „objektiver“ Betrachtung mehr oder weniger gleichwertig. Hier geht es also anders als oben nicht um „Pest oder Cholera“ sondern eher um Erdbeer- oder Vanilleeis (oder eine der vielen anderen leckeren Sorten).

Während die meisten von uns die Vielfalt an der Eistheke gut meistern, kann uns das Fehlen einer objektiv „besten“ Lösung bzw. Entscheidungsalternative regelrecht blockieren. Das gilt besonders für Menschen, die es gewohnt sind, nach klaren, rationalen Kriterien zu entscheiden, die dies vielleicht im Beruf häufig und sehr erfolgreich tun. Entscheidungstools, mit denen man sonst erfolgreich die nach objektiven Kriterien allerbeste Option herausgearbeitet hat, versagen, wenn es mehrere gleichwertige Alternativen gibt.

Hier kann der Lösungsansatz darin bestehen, sich von der Suche nach der „objektiv besten Lösung“ zu verabschieden und stattdessen zu schauen, welches die „subjektiv beste“ ist. In anderen Worten geht es dann um die Frage: Welche Entscheidung, welche Lösung passt zu mir persönlich am besten? Zu mir als Mensch, zu meinen Werten und dem, was mir in meinem Leben wichtig ist? Sie sehen: Das kann man logischerweise nur selbst entscheiden und es kann bei gleicher Ausgangslage von Mensch zu Mensch zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen.

Ein Dritter kann einem allerdings dabei helfen, indem er oder sie die richtigen Fragen stellt, so dass nach und nach immer klarer wird, welche Entscheidung am besten zu einem passt – und warum. In diesem Prozess werden nach und nach die individuellen Werte, die eigenen Bedürfnisse und Motive immer sichtbarer. Manche sagen dazu auch ganz einfach: Es zeigt sich, was für ein Mensch man ist bzw. sein will. Das eigene Selbstbild zeigt sich, man erkennt, welche Abbiegung an der Weggabelung zu der eigenen „Story“, der eigenen Lebensgeschichte, so wie man sie selbst wahrnimmt, am besten passt.

Und das ist das Großartige an schweren Entscheidungen, sowohl bei inneren Konflikten als auch beim „Luxusproblem“ gleichwertiger Alternativen: Man versteht sich dadurch plötzlich selbst besser, nicht nur in der akuten Situation, sondern auch darüber hinaus!

Mein Fazit

Es lohnt sich, schweren Entscheidungen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdienen. Sie vor sich herzuschieben und „wegzudrücken“ strengt an und lähmt. Sich ihnen zu widmen, ist oft ebenfalls harte Arbeit, zugegeben.

Es winken dabei am Ende jedoch drei Belohnungen:

  • Die belastende, unklare Situation ist weg, es geht einem fast immer subjektiv besser.
  • Man sieht (noch) klarer, was einem wichtig ist, was man braucht und worauf man daher auch bei künftigen Entscheidungen achten möchte (sie werden dadurch leichter!).
  • Man nutzt die persönliche Entscheidungsfreiheit, um aktiv das eigene Leben zu gestalten! Damit verhindert man übrigens auch, dass Dritte oder „das Schicksal“ die Weichen in eine Richtung stellen, die für einen persönlich nicht gut ist.
Stehen Sie gerade vor einer Entscheidung, die sich schwer anfühlt? Und möchten Sie sie aktiv und bewusst treffen, kommen aber allein nicht wirklich voran? Dann kann es sinnvoll sein, dass Sie sich in dieser wichtigen Phase Unterstützung von jemandem holen, der sich mit Entscheidungen auskennt. Dies kann ein Coach sein. Er oder sie kann Sie als „Entscheidungscoach“ begleiten und strukturiert durch Ihren persönlichen Entscheidungsprozess leiten.

Auch ich unterstütze meine Klienten als Beraterin und Coach häufig dabei, die Entscheidung zu treffen, die für sie die richtige ist. Ganz einfach weil sie der Mensch sind, der sie sind. Weil diese bestimmte Option am allerbesten zu ihren Werten, Bedürfnissen und Motiven passt. Dabei geht es sowohl um berufliche als auch um persönliche Lebensthemen – häufig auch eine Mischung aus beidem.

Wenn Sie überlegen, ob ein Coaching für Sie das Richtige sein könnte, lassen Sie uns sehr gern einmal darüber sprechen!

Jetzt kostenloses Vorgespräch vereinbaren

Zum Weiterlesen: Weitere Beiträge rund um Entscheidungen

2. August 2019|

Entscheidungshilfe bei Ja-oder-Nein-Entscheidungen

Ja? Nein? Vielleicht? Wie treffen wir die richtige Entscheidung?

Entscheidungen zu treffen, fällt vielen Menschen schwer. Ob es um den Job geht, die eigene Beziehung oder andere wichtige Lebensfragen: Gehen oder bleiben? Entweder …  oder? Welches ist die richtige Entscheidung? Wir alle haben wohl schon einmal erlebt, dass es eine große Herausforderung sein kann, sich zu einem klaren Ja oder Nein durchzuringen. Häufig scheinen uns gefühlt „große“ Entscheidungen zu überfordern. Wir stehen ihnen mehr oder weniger hilflos gegenüber, fühlen uns blockiert oder gelähmt. Die Gedanken kreisen und quälen uns, sehr gern auch nachts. Doch dieses Grübeln raubt nur den Schlaf – es bringt nichts! Konstruktives, entspanntes Nachdenken bei Tageslicht bringt da viel mehr. Ob allein oder mit Unterstützung. Und zum Glück gibt es hierfür eine Reihe mehr oder weniger bewährter Methoden. Einige davon stelle ich Ihnen gleich in diesem Betrag vor.

Vorab ein paar Worte zum Hintergrund: Entscheidungen kommen uns immer dann besonders schwer vor, wenn wir die Konsequenzen nicht überschauen können. In anderen Worten, wenn wir unter Unsicherheit zwischen A und B wählen müssen. Das ist in der Praxis sehr häufig der Fall, allein schon, weil wir nicht in die Zukunft blicken können. Das macht vielen Menschen Angst.

Häufig erleben wir dies bei Veränderungen: Kündige ich, ja oder nein? Nehme ich das neue Job-Angebot an oder nicht? Hier steht das „Ja“ für etwas Neues, das mit einer bestimmten Unsicherheit verbunden ist – aber eben auch reizvoll ist und Chancen verspricht. Scheu vor den Konsequenzen spielt auch eine Rolle, wenn wir uns fragen: Spreche ich das Thema bei meinem Mitarbeiter, bei meiner Chefin an? Übe ich Kritik oder nicht? Häufig geht es dabei um kritische Themen, so dass es bei der Frage „ja oder nein“ letztlich auch eine Rolle spielt, ob man sich traut: Finde ich den Mut, um …? Bin ich mutig genug? Oder man möchte keinen Fehler, möchte nichts kaputt machen: Was denkt …, wenn ich das anspreche? Wird es ihn/sie verletzen? Wir die Person wütend oder wird sich unsere Beziehung verändern?

Aber selbst bei Themen, die für die meisten „eigentlich“ positiv besetzt sind, können einen Ja-oder-Nein-Entscheidungen quälen: Melde ich mich für die Fortbildung an? Gönne ich mir die große Reise bzw. Anschaffung, ja oder nein? Kaufen wir das Eigenheim oder nicht? Oder bei wichtigen Lebensentscheidungen: Möchte ich ein Kind? Schaffen wir uns einen Hund an? Will ich mit diesem Partner, mit dieser Partnerin zusammenbleiben? Oder ist eine Trennung die bessere Lösung?

Entscheidungshilfen – gute und weniger geeignete

Wie kommen wir in solchen Entscheidungssituationen vom Fleck, wie treffen wir eine „gute“ Entscheidung? Gibt es dabei irgendwelche Tricks? Lassen Sie uns vier gängige Methoden unter die Lupe nehmen.

Methode 1: Entscheidungsorakel & Co. – die Entscheidung delegieren

Es gibt viele Möglichkeiten, die Verantwortung (scheinbar) abzugeben. Kann oder will man sich nicht festlegen, kann man es anderen überlassen, die Entscheidung zu treffen. Diese anderen können Menschen sein, die irgendwann vollendete Tatsachen schaffen, so dass eine eigene Entscheidung hinfällig wird. Ich erinnere mich an eine Klientin, die so lange ein klärendes Beziehungsgespräch mit Ihrem Partner – den sie noch immer liebte – vor sich herschob, bis der sich eines Tages von ihr trennte. Sie musste sich also nicht mehr entscheiden, konnte es aber auch nicht mehr.

Manche lassen auch „das Schicksal“ entscheiden. Indem sie einfach passiv bleiben und abwarten oder auch aktiv, indem Sie eine Münze werfen oder ein „Entscheidungsorakel“ im Internet befragen. Ich habe den Begriff heute einmal gegoogelt – und war ehrlich gesagt etwas erschrocken, wie viele Treffer es dazu gibt. Zwar kenne ich niemanden, der Münze oder Orakel ernsthaft über sein weiteres Leben bestimmen lassen will, aber es scheint auch hierfür einen Bedarf zu geben. Persönlich finde ich dies sehr bedauerlich, denn – so schwer sie im Einzelfall auch sicher sind – Entscheidungen sind Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten! Wenn wir uns nicht fremd bestimmen lassen möchten, sollten wir sie uns nicht aus der Hand nehmen lassen.

Schauen wir uns daher jetzt lieber die konstruktiveren Methoden an …

Methode 2: Mit Freunden, Familie oder z.B. einem Coach sprechen

Dies ist eine der bewährtesten Entscheidungsmethoden überhaupt. Wer einem Dritten gegenüber schildert, was er entscheiden möchte und wo er in Bezug auf eine Entscheidung gerade steht, der muss seine Gedanken dazu zwangsläufig ein Stück weit strukturieren und in Worte fassen. Allein dadurch werden sie schon klarer und die Entscheidung wirkt häufig etwas weniger groß.

Idealerweise äußert die andere Person dann nicht in erster Linie ihre eigene Meinung – es sein denn, sie wird direkt danach gefragt -, sondern hilft dem Freund, Familienmitglied oder Klienten zuallererst durch kluge Fragen, nach und nach immer klarer zu werden.

Wir Coaches haben gelernt, andere dabei zu unterstützen, Gedankenknäuel zu entwirren, zielorientiert Optionen zu sortieren und zu bewerten und so schrittweise für immer mehr Klarheit zu sorgen. Dabei nutzen wir unterschiedliche professionelle Tools, schauen uns beispielsweise auch gemeinsam mit unseren Klienten deren „inneres Team“ an, um innere Konflikte zu verstehen und zu lösen. So lässt sich sicherstellen, dass neben den Rahmenbedingungen auch alle persönlichen Bedürfnisse des Menschen berücksichtigt werden.

Methode 3: Den Entscheidungsbaum als Hilfsmittel nutzen

Der Entscheidungsbaum ist ein einfaches Tool, um mehrere Alternativen gegeneinander abzuwägen. Er ist auch geeignet, wenn Sie von Vornherein zwischen mehr als zwei Optionen (ja und nein) wählen möchten bzw. müssen. Das Schöne: Er ist leicht auf einem Blatt Papier zu zeichnen, hilft, die eigenen Gedanken zu strukturieren. Viele Beispiele dafür finden Sie im Internet.

Was gerade bei Ja-oder-nein-Entscheidungen das Tolle ist: Hier weiten die Verästelungen des Baumes den Horizont. Der Entscheidungsbaum ermutigt einen dazu, kreativ zu werden und in weiteren Alternativen zu denken. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, häufig gibt es nämlich nicht nur „ja“ und „nein“, sondern „ja und eins“, „ja und zwei“, „nein und drei“ oder auch „nein und eins“ …

Fragen Sie sich bei der Bewertung der Alternativen: Was sind meine Kriterien? Welche gibt der Kopf vor und welche der Bauch bzw. das Herz? Was macht mich spontan, was langfristig glücklich?

Methode 4: Mit 10-10-10 Schritten den zeitlichen Horizont entdecken

Eine Zeitreise kann uns dabei helfen, etwas Distanz zu einer ansehende Entscheidung aufzubauen und deren Konsequenzen in einem größeren Zusammenhang zu sehen: Das sog. 10-10-10-Modell stammt ursprünglich von Suzy Welch. Es ist besonders bei schwierigen Entscheidungen nützlich, die langfristige Auswirkungen haben. Es hilft einem dabei, sowohl die kurzfristig auftretenden Emotionen zu erkennen als auch die mittel- und langfristigen Folgen einer Entscheidung zu berücksichtigen.

Ziehen Sie auf einem Blatt eine waagerechte Linie. Schreiben Sie darüber „Ja“ und darunter „Nein“. Teilen Sie die Linie dann in drei Teile auf. Der erste, linke heißt „in zehn Tagen“, der zweite „in zehn Monaten“ und der dritte „in zehn Jahren“. Es ergibt sich somit eine Tabelle mit zwei Zeilen à 3 Feldern. Notieren Sie in jedes Feld, welche Auswirkungen Sie erwarten, wenn Sie sich Ihre Frage mit „ja“ bzw. „nein“ beantworten: Überlegen Sie sich also, welche Folgen es voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn Tagen hätte, wenn Sie sich „dafür“ entscheiden und welche es in demselben Zeitraum hätte, wenn Sie sich „dagegen“ entscheiden etc. Haben Sie alle zehn Felder ausgefüllt, machen Sie eine Pause – gehen Sie z.B. einmal um den Block – und betrachten dann in Ruhe Ihre Aufzeichnungen. Häufig fällt die Entscheidung dann schon etwas leichter, weil Sie die Sicherheit haben, sowohl die kurz- als auch eine mittel- und langfristige Perspektive einzubeziehen.

Übrigens, je nach Thema kann es beim Zeitreise-Modell sinnvoll sein, die Intervalle anzupassen oder zusätzlich z.B. „in zehn Minuten“ oder „in zehn Stunden“ zu ergänzen. So wandelt sich dann das 10-10-10-Modell in ein 10-10-10-10-Modell.

Methode 5: Die Ja-Nein-Entscheidung auf Probe treffen

Häufig hilft einem ein kleines Experiment, zu erspüren, mit welcher Entscheidung man glücklicher sein wird. Dazu wenden Sie einen kleinen Trick an: Treffen Sie die Entscheidung „auf Probe“ und beobachten Sie anschließend 24 Stunden lang, wie es Ihnen damit geht. Danach entscheiden Sie, ob Sie die „Probeentscheidung“ in eine endgültige Entscheidung wandeln möchten – oder nun testweise die zweite Alternative für 24 Stunden ausprobieren.

Diese Methode ist verwandt mit einem Trick, den der Volksmund seit langer Zeit kennt: Über wichtige Entscheidungen eine Nacht schlafen. Hier wäre zu ergänzen: am besten richtig ausschlafen. Aus neurowissenschaftlichen Untersuchungen weiß man, dass nachts im Gehirn viel passiert. Ohne hier ins Detail zu gehen – diese Prozesse tragen dazu bei, dass man nach einem erholsamen Schlaf erfrischt eine Entscheidung gut treffen kann. Oder in unserem Fall: in sich hineinhorchen kann, ob die Probeentscheidung die richtige ist.

Methode 6: Brief an uns selbst

Diese Methode ist eine Ergänzung zu allen vorherigen. Wenn jemand anders die Entscheidung übernimmt – wie oben geschildert – KANN dies erst einmal eine Erleichterung bedeuten. Diese Variante führt jedoch nur zufällig zu der Lösung, die am besten zu uns passt. Und sie schützt einen auch nicht vor Selbstvorwürfen, im Sinne von „hätte ich damals nur …“! Daher: Wenn Sie aktiv eine Entscheidung für sich getroffen haben und wissen, dass Sie hin und wieder zu Selbstvorwürfen neigen, dann rate ich dazu, für sich persönlich festzuhalten, warum man sich so oder so entschieden hat.

Hierfür ist ein „Brief an mich selbst“ für viele Menschen eine gute Methode. Schreiben Sie für sich auf, was Sie abgewogen haben und warum Sie sich – mit dem Wissen des heutigen Tages – dafür bzw. dagegen entschieden haben. Dies unterstützt Sie dabei, sich selbst gegenüber zu Ihrer Entscheidung zu stehen und sie auch später fair zu beurteilen. Versuchen sie dabei, die getroffene Entscheidung überzeugend an ihr künftiges Ich zu „verkaufen“.

 

Fazit

Es gibt viele gute Methoden, die uns bei Ja-oder-Nein-Entscheidungen wie auch bei komplexeren Zukunftsentscheidungen unterstützen können. Einige habe ich Ihnen hier vorgestellt. Dennoch gibt es leider keine Garantie. Wir sind nicht allwissend und können immer Fehler machen. Ob ja oder nein, unsere sorgfältig getroffene Entscheidung kann im nachhinein trotzdem falsch sein. Und fast immer gilt: In beiden Fällen wird das Leben weitergehen.

Wenn wir dies anerkennen, werden wir wichtigen Weichenstellungen immer noch mit Respekt begegnen und ihnen die nötige Aufmerksamkeit widmen, können uns aber entspannter für den einen oder den anderen Weg entscheiden. Und wir können die Entscheidungen vor allem als das betrachten, was sie im positiven Sinne sind: Chancen, unser weiteres Leben zu gestalten.

Ja oder nein? Wichtig ist, dass Sie diese Frage für sich selbst beantworten. Die Entscheidung sollte „passen“, zu Ihnen als Mensch, Ihren eigenen Werten und Bedürfnissen. Und damit meine ich nicht, dass man egoistisch entscheiden sollte. Die Auswirkungen auf das eigene Umfeld zu betrachten, besonders auch auf die Menschen, die uns nahe und wichtig sind, das gehört für die meisten von uns aufgrund unserer Werte natürlich dazu.

Und gleichzeitig gilt: In Ihrer eigenen Haut stecken nur Sie selbst. Was für Sie persönlich die richtige Entscheidung ist, das muss nicht vom Standpunkt eines anderen Menschen aus die richtige Wahl sein. Zum Glück, sonst wäre unsere Welt nicht so vielfältig und lebendig!

Übrigens, häufig kann es genau aus diesem Grund hilfreich sein, sich bei einer wichtigen Entscheidung nicht nur mit Freunden und Familie zu beraten, sondern sich auch Unterstützung durch einen neutralen Menschen zu holen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass das für Sie hilfreich sein könnte, melden Sie sich sehr gern bei mir!

Jetzt kostenloses Vorgespräch vereinbaren

Zum Weiterlesen: Weitere Beiträge rund um Entscheidungen

26. Juni 2019|

Ein Update für unseren „inneren Autopiloten“

Wie es gelingt, uns erfolgreich neue Gewohnheiten anzueignen – ohne dass wir durch „dumme“ Entscheidungen vom Weg abkommen

Gewohnheiten sind lebensnotwendig – und gleichzeitig können sie einen ziemlich nerven. Ich erlebe regelmäßig, dass sich Menschen über eine spontane „dumme“ Entscheidung ärgern, die sie wieder einmal unbemerkt, scheinbar automatisch gefällt haben. Und die sie wirkungsvoll davon abgehalten hat, das zu tun, was sie „eigentlich“ wollen: regelmäßig Sport treiben, sich gesünder ernähren oder endlich genügend Schlaf bekommen. Trotz aller guten Vorsätze erwischen sie sich dabei, dass sie ruck, zuck in alte Gewohnheiten zurückfallen: mal wieder nicht ins Fitnessstudio gehen, aus Versehen doch wieder die leckere Pizza bestellen oder – Cliffhanger sei Dank – bei Netflix trotz später Stunde doch noch die nächste Folge der aktuellen Lieblingsserie schauen.

Diese Liste lässt sich beliebig verändern. Den meisten Menschen fallen sicherlich gute Beispiele aus ihrem eigenen Leben ein, bei denen es uns nicht zu gelingen scheint, selbst banale Dinge nachhaltig zu ändern. Das gilt nicht nur für Neujahrsvorsätze, sondern unabhängig von der Jahreszeit. Doch was passiert hier? Und wie schafft man es, erfolgreich „schlechte“ Gewohnheiten abzulegen und sich positive, neue Verhaltensweisen anzugewöhnen?

 

Wie hängen Gewohnheiten und „dumme“ Entscheidungen zusammen?

Wir treffen tagtäglich Tausende von Entscheidungen. Die allermeisten davon unbewusst oder halbbewusst. Das ist zunächst einmal gut, ja lebensnotwendig: Wir würden uns lähmen, wenn wir nur noch bewusst entscheiden könnten. Dafür ist unser Alltag viel zu komplex. Ohne Gewohnheiten wäre unser Gehirn komplett überfordert! Daher ist der „innere Autopilot“ erst einmal eine gute Sache: Er steuert viele Dinge für uns, die sich regelmäßig wiederholen, so dass wir unsere Aufmerksamkeit auf neue Impulse und die wirklich wichtigen Entscheidungen konzentrieren können.

Im Alltag kümmert sich der „innere Autopilot“ zuverlässig um viele Gewohnheiten: Als Kind mussten wir vielleicht noch ans Zähneputzen erinnert werden, für uns als Erwachsene ist der Griff zur Zahnbürste keine bewusste Entscheidung mehr, sondern passiert als Teil der „Morgenroutine“ bzw. „Abendroutine“ quasi automatisch. Wenn wir ein Auto besteigen, schnallen wir uns an – auch darüber denken die allermeisten wohl schon lange nicht mehr bewusst nach.

So weit, so gut. In die Quere kommt uns der Autopilot gern dann, wenn wir Gewohnheiten verändern oder uns neue Gewohnheiten aneignen möchten. Ist er am Ruder, dann fühlt es sich häufig so an, als würden wir „dumme“ Entscheidungen treffen. Genau genommen sind es häufig eher unbewusste Entscheidungen. Diese Erkenntnis ist schon Teil der Lösung …

 

Neue Gewohnheiten etablieren in drei Schritten

1. Sich bewusst und konkret FÜR eine neue Gewohnheit (oder GEGEN eine alte Gewohnheit) entscheiden

Bildlich gesprochen gilt es zunächst darum, einen „Pflock einzuschlagen“. Was ich damit meine? Um uns an eine Entscheidung – etwas künftig so und so oder nicht mehr so und so zu tun – zu halten, müssen wir sie uns zuallererst bewusst machen und ganz konkret treffen. Entscheiden können ist toll, denn es heißt, dass wir unser Leben selbst in der Hand haben und steuern können. Dafür müssen wir eine Entscheidung dann aber auch wirklich bewusst treffen, nicht nur halbherzig. Und sicherstellen, dass sie wirklich zu uns passt.

Ein Beispiel: Wenn man künftig mehr Sport machen möchte, sollte man sich fragen: Warum will ich das? (Die Antwort sollte einen auch emotional überzeugen!) Und welche Sportart passt tatsächlich zu mir? Worauf habe ich Lust und was lässt sich langfristig in meinen Alltag einbauen? Hat man sich für eine Sportart entschieden, reicht das noch nicht. Besser ist, hier noch konkreter zu werden. Also nicht nur „ich will mehr Sport machen“ oder „ich will endlich wieder mit dem Joggen anfangen“, sondern: „Ich gehe ab sofort jeden Mittwoch nach der Arbeit und am Samstag Vormittag Laufen. Los geht’s gleich morgen.“ Oft hilft es, die neue Gewohnheit als „smartes“ Ziel zu definieren. „SMART“ ist ein Akronym und steht hier für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Erfüllt unser Ziel diese Kriterien, dann ist der „Pflock“ eingeschlagen!

2. Den Rahmen setzen: Die eigene Welt so umbauen, dass der Autopilot ausgetrickst wird

Lesen Sie die Überschrift gern gleich ein zweites Mal :-) Dieser Punkt wird häufig übersehen, dabei ist er sehr wichtig, damit einem die bisherigen Gewohnheiten – der gute alte Autopilot – keinen Strick durch die Rechnung macht. Und häufig macht er sogar Spaß!

Hier geht es darum, sich zunächst klar zu machen, wie man sich bisher verhalten hat, wie also der eingetretene alte Weg aussieht, dem man automatisch folgt. Dann baut man diesen Weg geschickt um bzw. kleine Hindernisse oder positive Wegweiser ein, um einen an die neue Entscheidung zu erinnern. Das macht man so lange, bis sie irgendwann tatsächlich zur Gewohnheit geworden ist. Im obigen Beispiel – regelmäßig Laufen gehen – könnte man z.B. die Joggingschuhe direkt vor dem eigenen Bett platzieren, so dass man morgens (fast) darüber stolpert oder sie auf die Fernbedienung oder das aktuelle Lieblingsbuch stellen. So kann man sie nach Feierabend nicht so einfach „übersehen“ …

Wer sich vorgenommen hat, künftig dreimal die Woche zur Arbeit zu radeln, statt das Auto zu nehmen, der hängt sich vielleicht abends den Fahrradhelm an die Eingangstür und parkt das Auto zwei Straßen weiter.

Möchte man ein altes Verhalten ablegen, dann überlegt man sich am besten , welche Trigger es bislang ausgelöst haben. Wichtig ist, sich genau zu beobachten und die Auslösereize möglichst klar zu identifizieren. Am besten bietet man sich dann eine neue Möglichkeit an, auf diese Trigger zu reagieren, also eine gute Alternative, damit der Auslöser nicht ins Leere geht. Das macht die Umstellung leichter. Ein Beispiel: Dort, wo bisher immer die Schokolade stand, steht jetzt eine Obstschale … (Gefüllt mit Früchten, die Ihnen tatsächlich schmecken!)

Sie sehen: Es gibt viele einfache Möglichkeiten, die eigene kleine Welt so umbauen, dass der Autopilot irritiert wird – und man stattdessen auf kleine, freundliche Reminder dafür stößt, was man stattdessen machen möchte.

3. Für Belohnungen sorgen

Langfristig können aus guten Vorsätzen nur neue Gewohnheiten werden, wenn wir Kopf und Bauch dafür gewinnen. Das heißt, es reicht nicht, rational davon überzeugt zu sein, sondern sie müssen auch mit positiven Emotionen verknüpft werden. Da unterscheiden wir uns gar nicht mal so stark von einem Hund, der sich gern ein neues Verhalten angewöhnt, wenn am Ende ein Leckerli winkt. Auch wir können und sollten uns dafür belohnen, dass wir der Entscheidung für ein neues Verhalten gefolgt sind.

Am besten brechen wir dafür große Ziele auf kleine runter, so dass wir für „Quick wins“ sorgen können. Ist das erste Etappenziel und damit die erste Belohnung nicht weit entfernt, dann halten wir deutlich eher durch. Die „Belohnung“ muss dabei gar nichts Großartiges sein. Vielleicht ist es die Aussicht auf ein kühles Getränk nach dem Joggen, vielleicht das Versprechen, dass wir uns nach den ersten drei Wochen die neuen Laufschuhe gönnen, mit denen wir schon länger geliebäugelt haben.

Denkbar ist auch, ohnehin geplante Anschaffungen mit einer neuen Gewohnheit zu verknüpfen. Neulich hatte ich einen Coaching-Klienten, der sich parallel zum Vollzeit-Job auf eine wichtige Prüfung vorbereiten möchte. Wir haben einen Plan entwickelt, wie er „Lern-Sessions“ als neue Gewohnheit in seinen Alltag integrieren kann. Seine Belohnung: Wenn er die erste Etappe des Lernstoffs geschafft hat, wird er sich einen E-Scooter kaufen (die Anschaffung war ohnehin geplant, er gönnt ihn sich aber genau dann).

Fazit: Gute Chancen für neue Gewohnheiten

Wenn wir die drei Schritte – Pflock einschlagen, den inneren Autopiloten austricksen und sich für erste Erfolge belohnen – konsequent einhalten, dann steigen die Chancen deutlich, dass wir eine neue Gewohnheit etablieren und nicht mehr in das alte Verhaltensmuster abrutschen.

Übrigens: Dazu, wie lange es dauert, bis wir uns die neue Gewohnheit tatsächlich angeeignet haben, kursieren ganz unterschiedliche Zeitangaben. Beliebt sind „mind. 21 Tage“ (Maxwell Maltz 1960) bzw. „66 Tage“ (Durchschnittswert in einer Studie von Phillippa Lally 2009). Seriös lässt sich dies jedoch nicht vorab sagen, dafür kommt es zu stark auf den einzelnen Menschen und besonders auch darauf an, wie komplex die gewünschte Veränderung ist.

Ein Update des „inneren Autopiloten“ ist für gesunde Menschen fast immer möglich. Ich denke, das ist entscheidend. In vielen Fällen schafft man es mit smarter Vorbereitung (siehe die drei Schritte) allein. Es gibt aber auch größere Verhaltensänderungen, die sich nur oder zumindest besser bewältigen lassen, wenn man sich externe Unterstützung holt. Häufig können Freunde und Familie helfen, manchmal ist es auch ratsam, sich durch einen Coach begleiten zu lassen.

Gibt es eine Gewohnheit, die Sie neu in Ihren Alltag integrieren möchten? Oder umgekehrt eine, die Sie hinter sich lassen oder ersetzen möchten?

Haben Sie den Eindruck, dass eine Begleitung von außen gut sein könnte? Dann melden Sie sich sehr gern einmal bei mir, damit wir herausfinden können, ob und ggf. wie ich Sie als Coach bei dieser Veränderung unterstützen kann!

Jetzt kostenloses Vorgespräch vereinbaren

Zum Weiterlesen: Weitere Beiträge rund um Entscheidungen

23. Mai 2019|

You decide about your Story: Die Kraft der eigenen Geschichte

Warum die eigene Lebensgeschichte nicht nur im Coaching bedeutsam ist

„Du entscheidest über deine Geschichte.“ Oder „You decide about your story.” Egal in welcher Sprache: Dies ist für mich ein ganz wichtiger Satz.

Ich habe festgestellt, dass in dieser Aussage, so einfach sie auf den ersten Blick auch wirken mag, ganz viel steckt – bzw. dass man sehr viel daraus schöpfen kann. Dies habe ich für mich persönlich erlebt, aber auch bei vielen meiner Klientinnen und Klienten beobachtet. Deswegen widme ich diesem Satz heute einen eigenen Blog-Beitrag.

„You decide about your story“ verweist für mich zum einen auf die Freiheit, die die allermeisten von uns haben. Gleichzeitig spricht er auch die Verantwortung an, die sich für uns daraus für unser eigenes Leben ergibt.

Wenn wir unsere eigene Lebensgeschichte, unsere berufliche Biografie oder auch – als Unternehmerin oder Unternehmer – die eigene Firmengeschichte anschauen, dann stecken wir in der Story, um die es geht, gerade mittendrin. Wichtig ist dabei: Diese Geschichte hat zwei Teile. Einer liegt in der Vergangenheit und einer in der Zukunft. Über beide können wir entscheiden: „You decide about your story“, gilt für beide Blickrichtungen, für das was war und das was in Zukunft passieren wird.

Ja, auch für den Teil unserer Lebensgeschichte, der in der Vergangenheit spielt, können wir heute aktiv entscheiden, wie unsere Story lautet. Dabei geht es nicht darum, dass wir uns eine fiktive Geschichte ausdenken und uns und anderen etwas vormachen oder gar vorlügen. Sondern es geht darum, dass eine Story immer subjektiv ist.

Je nachdem, wie wir die objektiven Fakten interpretieren, was wir betonen und was wir weglassen, für welchen roten Faden in der Geschichte wir uns also entscheiden, kann unsere Story ganz unterschiedlich lauten. Sie wird sich für uns auch anders anfühlen. Und entsprechend anders wird diese Story dann vermutlich auch in der Zukunft weitergehen …

Machen wir einen kurzen Exkurs in die Filmwelt: Vielleicht haben Sie schon einmal gehört, dass bei einem Film zwischen dem Plot und der Storyline unterschieden wird. Der Plot beschreibt die vordergründige Aneinanderreihung von Ereignissen – dies wäre in unserem Fall der Lebenslauf mit all seinen Daten und Fakten oder die chronologische Unternehmensgeschichte. In der Story geht es jedoch um das Leitmotiv und die Gefühle des Helden. Hier stehen Kopf und Herz im Mittelpunkt, eine Geschichte vergisst man nicht so leicht.

Lernen wir jemanden kennen und erzählen ihm aus unserem Leben, dann schildern wir ihm oder ihr unsere persönliche Story, nicht den Plot unseres Lebens. Wenn wir nicht gerade in einem Vorstellungsgespräch sitzen, geht meist nicht um eine vollständige Auflistung von Jahreszahlen und Ereignissen, sondern darum, was uns bislang wichtig war und heute wichtig ist, und auch um die Emotionen, die wir dabei erlebt haben. Unser persönliches WARUM hat bei der Auswahl der Dinge, die wir erwähnen, einen wichtigen Anteil.

Übrigens haben Geschichten in den letzten Jahren auch in die Unternehmens­kommunikation verstärkt Einzug gehalten. Dies hängt mit der starken Wirkung von echten Stories zusammen. Wir Menschen lieben seit jeher gute Geschichten, sie transportieren Emotionen, sie können uns Kraft geben und inspirieren. Storytelling ist ein wirkungsvoller und inzwischen ein sehr beliebter Ansatz im Marketing und in der PR vieler erfolgreicher Firmen von Siemens über Apple bis hin zu Google.

Die „Zutaten“ einer guten Story sind dabei – da sind sich alle einig: ein Grund, warum sie erzählt werden (hier kommt wieder unser persönliches WARUM ins Spiel, ein Held (ja, das sind wir!), ein Konflikt sowie Emotionen.

Konflikte gehören somit nicht nur dazu, ein Konflikt sogar zentral für eine Story. Auch für Ihre persönliche Geschichte sind die Wendepunkte, die Krisen und Weichenstellungen also ganz wichtig. Steckt man mittendrin, mag man sich oft eine stabile „langweilige“ Phase wünschen, aber erst mit diesen Punkten und deren Lösung entwickeln wir uns weiter und können wachsen.

Entscheidend ist dabei: Können wir die Krise als Möglichkeit zur Weiterentwicklung, als Übergang zu einem neuen positiven Kapitel sehen?

Wollen Sie Ihrer persönlichen Story auf den Grund gehen, lohnt es sich, einmal für sich diese Fragen zu beantworten:

  • Welche zentralen Wendepunkte, Krisen und Konflikte gab es bisher in Ihrem Leben
  • Wie ging es Ihnen damals? Was haben Sie gefühlt und warum?
  • Haben Sie sich eher als handelnder Akteur erlebt oder als passives „Opfer“ der Umstände? Falls Sie sich bislang eher passiv erlebt haben: Was passiert, wenn Sie testweise die Geschichte einmal so formulieren, dass Sie etwas aktiv (wenn vielleicht auch unbewusst) entschieden haben? Die Entscheidung kann dabei übrigens auch darin bestehen, einen Weg nicht zu gehen, etwas nicht zu tun.
  • Was haben Sie an diesem Punkt in Ihrem Leben mitgenommen?
    • Was war an dieser Stelle wichtig und hat Ihnen geholfen?
    • Wofür sind Sie möglicherweise dankbar?
    • Was war hinterher anders?
    • Welches „Learning“, welche Stärke oder welche Fähigkeit hat seitdem einen festen Platz in Ihrem „persönlichen Rucksack“?
    • Übrigens, meist haben wir uns an eine bestimmte Einordnung bzw. Deutung von Ereignissen gewöhnt. Dies war allerdings häufig eine (unbewusste) Entscheidung unter mehreren Alternativen. Und die könnten wir ggf. auch heute noch anders treffen!Die Story eines jeden Menschen – und auch eines jeden Unternehmens – sagt viel über unsere eigene Identität, unser eigenes Selbstverständnis aus. Sie hilft uns dabei, zwei grundlegende, persönliche Fragen zu beantworten: Wer bin ich? Und warum bin ich hier?

Es lohnt sich, sich die eigene Geschichte zu erzählen und sich bewusst für eine „stimmige“ Story zu entscheiden! Von einer starken Story geht eine Kraft aus, die einen für den weiteren Weg motiviert. Sie schärft den Fokus (manchmal gibt sie auch überhaupt erst einen), sie hilft tagtäglich dabei, unter mehreren Alternativen die „richtige“ Option zu erkennen, sie gibt einem Mut und Sicherheit für die vielen kleinen und manchen großen Entscheidungen auf dem weiteren Weg. Sie ist damit u.a. auch ein wirksames Mittel gegen Zögern, Blockieren und Verzetteln.

Klar ist: Natürlich haben wir nicht allein Einfluss auf unsere Story. Auch die Rahmenbedingungen, andere Menschen etc. sind hierfür wichtig. Die Interpretation der bisherigen Story und unsere Entscheidungen in Bezug auf unsere künftige Geschichte, die gehören jedoch uns selbstWir können Sie gestalten und wir sind dafür verantwortlich. Meine Erfahrung ist: Wer seine Story aktiv formuliert und sich klar für sie entschieden hat, der wird automatisch schneller und fühlt sich sicherer nach vorn und gekräftigt nach hinten.

Übrigens, häufig ist es leichter, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen und besonders auch neue Sichtweisen zu entdecken und sie neu zu interpretieren, wenn man dabei einen anderen Menschen als Sparringspartner(in) an seiner Seite hat. Daher ist die Entscheidung über die eigene Story auch immer wieder ein wichtiges Thema in meinen Coachings.

 „You decide about your Story“: Das Wichtigste in Kürze

  • Wir entscheiden bewusst über unsere bisherige Lebensgeschichte. Es sind fast immer mehrere „rote Fäden“ möglich, je nachdem, wie wir die Ereignisse der Vergangenheit interpretieren und in welchen Kontext wir sie setzen.
  • Auch über unsere künftige Story entscheiden wir – nicht komplett allein, denn es kommt natürlich auch auf die Rahmenbedingungen und andere Menschen an –, aber wir haben meist einen großen Anteil daran.
  • Treffen wir diese Entscheidungen aktiv, so stärkt uns dies, es gibt Sicherheit und einen klaren Fokus.
  • Als Unternehmer tun wir gut daran, diese unsere Story jetzt auch gezielt mit Mitarbeitern, Partnern und Kunden teilen. Im „Storytelling“ passiert dies häufig in Form von exemplarischen Geschichten (dies ist wiederum ein eigenes Thema!)
 Drei Fragen zum Abschluss …

  • Wie lautet Ihre eigene Geschichte?
  • Was meinen Sie, wäre es möglich, Sie auch ganz anders zu formulieren?
  • Wenn Sie es sich wünschen können: Wie soll Ihre eigene Story weitergehen?

Wenn Sie sich weiter damit beschäftigen möchten, melden Sie sich sehr gern!

Jetzt kostenloses Vorgespräch vereinbaren

Zum Weiterlesen: Weitere Beiträge rund um Entscheidungen

7. Januar 2019|